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Foto: Andrea Hesse

Krankenhausseelsorge

Kranken(haus)seelsorge oder Spiritual Care?

Krankenhausseelsorge wurzelt im Vertrauen auf einen uns in Jesus Christus menschenfreundlich zugewandten Gott, der unser Leben in seiner barmherzigen Hand trägt. Manchmal erscheint dies Bild leidvoll verborgen, verstörend gebrochen. In (stellvertretender) Hoffnung gehen Seelsorgende zu den Kranken in unterschiedlichsten Einrichtungen des Gesundheitswesens: Sie arbeiten in Akutkrankenhäusern, in Palliativteams, in Kinderkliniken, in Psychiatrie und Maßregelvollzug sowie in Reha-Zentren. Sie tun dies unabhängig von Religions- und Konfessionszugehörigkeiten und in ökumenischer Weite und Verbundenheit.

Seelsorgende in den Einrichtungen des Gesundheitswesens nehmen sich Zeit und besuchen Patientinnen und Patienten in der schwierigen und oft sehr bedrohlichen Situation ihres Klinikaufenthaltes. Sie nehmen die Angehörigen unterstützend mit in den Blick, denn auch sie sind durch Kliniksituationen persönlich mitbetroffen. Seelsorgende sind ebenso Ansprechpartner für Mitarbeitende in Kliniken: Bedingt durch hohen Leistungsdruck bei sich verringernder Personalstärke arbeiten diese oft an ihrer Belastungsgrenze. Die kollegiale Wahrnehmung ihrer persönlichen Situation ermutigt sie in ihrem anspruchsvollen Dienst.

Seelsorgende hören zu, nehmen Anteil im Gespräch, halten das Leben an der Grenze mit aus, sie begleiten ein Stück auf unsicheren und fremden Wegen. Sie bleiben an der Seite von Sterbenden und Trauernden. Sie halten die Schweigepflicht für konstitutiv für ihren Dienst und nehmen sie ernst.
Sie suchen mit den ihnen anvertrauten Menschen nach Verstehen und Trost: im gemeinsamen Gespräch, im Schweigen, Beten und Achten auf Gottes Zuspruch. Sie können bei der Verarbeitung von Krankheit und ihren Folgen durch religiöse Deutungsangebote behilflich sein. Nicht in seiner sozialen Position, in seiner Leistungsfähigkeit oder in seiner oft angegriffenen körperlichen und seelischen Anmutung sehen Seelsorgende den Wert oder die Würde eines Menschen begründet, sondern in der Tiefe seiner unantastbaren Beziehung zu Gott.

Seelsorgende in Kliniken laden ein zu Gottesdiensten und Andachten, zu Salbungen und Segnungen, zu Abendmahls- und Gedenkfeiern. Sie bilden Ehrenamtliche aus für die Mitarbeit auf den Stationen und begleiten sie dabei fachlich. Sie beraten Patienten, Angehörige und Mitarbeitende bei ethischen Problemen und wirken in Ethikkomitees und in Stationsteams bei schwierigen Entscheidungen mit. Sie melden im Dialog ihre Wahrnehmung interner struktureller Probleme zurück in die zuständigen organisatorischen Ebenen der Einrichtungen. Seelsorgende bieten auf Anfrage Seminare im Rahmen der innerbetrieblichen Fortbildung und in Krankenpflegeschulen an. Die Krankenhausseelsorge beteiligt sich an kulturellen Angeboten und fachlichen Informationsveranstaltungen in ihren Einrichtungen.

Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger arbeiten mit kollegialer und supervisorischer Beratung; durch den regelmäßigen Besuch von Weiterbildungen erhalten sie sich ihre seelsorgliche Kompetenz und Professionalität.

Zusätzlich zu den Krankenhausplanstellen für Diakoninnen und Diakone sowie Pastorinnen und Pastoren der Landeskirche werden weitere Stellenanteile durch Klinikträger, Kirchenkreise oder beteiligte Institutionen mitfinanziert. Die Anstellungsträgerschaft und Dienstaufsicht bleiben vertraglich geregelt bei der Landeskirche.

Die Krankenhauslandschaft befindet sich weiterhin im Umbruch: Immer kürzere Liegezeiten und eine Ausweitung der ambulanten Versorgung erfordern zukünftig eine stärkere Vernetzung von Krankenhausseelsorge, Gemeindeseelsorge und anderen ambulanten psychosozialen Beratungsangeboten, insbesondere im ländlichen Raum.

 

Ihr Ansprechpartner

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Pastor Lars Wißmann
Carl-Neuberg-Straße 2
30625 Hannover
Tel.: 0162 6237464
Aufgabenbereich:

Landeskirchlicher Beauftragter für Krankenhausseelsorge