Krankenhaus-Seelsorge braucht Einbindung

Auf dem Podium der Eröffnungsveranstaltung diskutierten Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal  Reinhard Marx mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Gesundheitswesen.

1. Ökumenischer Bundeskongress

„Wir Kirchen sind nicht mehr der alleinige Anbieter von Seelsorge; das wirkt auf vielen Ebenen“, fasst Pastor Lars Wißmann die Inhalte des 1. Ökumenischen Kongresses für Seelsorgende im Krankenhaus und im Gesundheitswesen zusammen – und freut sich auf die neuen Herausforderungen.

Mitte März trafen sich etwa 400 Seelsorgende aus dem gesamten deutschsprachigen Raum in München, um sich über Auftrag, Vernetzungen und Perspektiven der Seelsorge im Krankenhaus und im Gesundheitswesen auszutauschen. Wie kann und soll sich die Seelsorge in diesem Arbeitsfeld aufstellen? Dazu wurde in etwa zehn Plenen und 30 Workshops wissenschaftlich diskutiert und es wurden praktische Impulse entwickelt. Namhafte Gäste befruchteten die Gespräche: Ratspräsident Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm betonte die Bedingungslosigkeit von Seelsorge, wenn sie sich an Jesus Christus orientiert, und sprach sich für ein großes christliches Engagement aus, wenn die Seelsorge in Kliniken zunehmend durch sogenannte Spiritual-Care-Konzepte ersetzt werde. Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, erwartet von christlichen Seelsorgenden ein selbstbewusstes Auftreten, um aus ihrer Rolle heraus die Lücke zu füllen, die der „liebende Arzt“ in einer Hochleistungsmedizin nicht mehr erfüllen könne. Prof. Dr. Michael Klessmann, Ordinarius für Praktische Theologie, forderte die Kirchen auf, die seismographische Fähigkeit der Krankenhaus-Seelsorge stärker in ihren Entscheidungen und Gremien zu repräsentieren und mehr theologische Forschung in Richtung „Wirksamkeitsnachweise von Seelsorge“ zu betreiben.

Abschließend forderten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr Möglichkeiten, Seelsorge zu lernen und damit der Bedarfsvielfalt mit einer Ausbildungs- und Angebotsvielfalt zu entsprechen – ganz konkret: Das hohe Qualifikationsniveau in der Krankenhaus-Seelsorge sollte durch ein berufsbegleitendes Studium „Theologie und Seelsorge“ weiter ausgebaut werden.

Ferner waren sich alle Referentinnen und Referenten sowie die Teilnehmenden einig darin, dass Krankenhaus-Seelsorge neben dem kirchlichen und persönlichen Engagement mehr institutionelle Einbindung braucht: Ökumenische Verträge, Rahmenverträge mit den Bundesländern und Verträge mit Klinikträgern sollen das hohe fachliche Niveau als einen Schatz in der Versorgung von Kranken und Sterbenden fortschreiben.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers war beim Kongress mit elf Delegierten vertreten; unter ihnen die sechs Regionalsprecher und die Gesamtsprecherin der Krankenhaus-Seelsorge, Pastorin Birgit Hagen, sowie der Beauftragte für Krankenhaus-Seelsorge, Pastor Lars Wißmann vom Zentrum für Seelsorge.