Die Familie steht an erster Stelle

Update für die Familienberatung (von links): Axel Gerland, Dr, Karin Jakubowski und Rainer Bugdahn. Foto: Andrea Hesse


Update für die Familienberatung in evangelischen Beratungsstellen

31 Psychologische Beratungsstellen in kirchlicher Trägerschaft gibt es im Bereich der hannoverschen Landeskirche; 160 Beraterinnen und Berater – Psychologen, Sozialpädagogen, Theologen – mit verschiedenen psychologischen Zusatzqualifikationen arbeiten in diesen Einrichtungen. Alljährlich kommen rund 100 von ihnen in Hannover zur Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Lebensberatung (AGL) und der Hauptstelle für Lebensberatung zusammen, um Bilanz zu ziehen und zukünftige Herausforderungen in den Blick zu nehmen.

Zentrale Rolle für die Wertebildung


„Familie X.0 – Update Familienberatung“ lautete der Titel der diesjährigen Jahrestagung, die Familien als soziales System in ständiger Veränderung thematisierte.  „Die Pluralität moderner Lebensstile hat viele ganz unterschiedliche Formen von Familie hervorgebracht“, sagt Rainer Bugdahn, Leiter der Hauptstelle für Lebensberatung in Hannover. „Vor diesem Hintergrund waren wir erstaunt, wie stabil manche Vorstellungen von Familie sind.“ Professor Dr. Gerhard Wegner, Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD, hatte in einem Impulsvortrag herausgearbeitet, dass bei allen gesellschaftlichen Gruppen in der Rangfolge der wichtigen Werte die Familie an erster Stelle steht. Auch für die Wertebildung junger Menschen spielt die Familie nach wie vor die zentrale Rolle: „Werte werden entweder in der Familie ausgebildet oder sie sind im späteren Leben nicht ausreichend vorhanden“, zitierte Rainer Bugdahn eine Aussage Gerhard Wegners.

Dennoch: „Die klassische Familie wird seltener und die Herausforderungen ändern sich“, stellt Axel Gerland, Abteilungsleiter im evangelischen Beratungszentrum Oskar-Winter-Straße in Hannover fest. Im Rahmen des Demokratisierungsprozesses in Familien werden Verabredungen und Regeln immer wieder neu ausgehandelt, multikulturelle Familien müssen oftmals verschiedene Erziehungsstile abgleichen. „Die demokratische Ausrichtung von Familien hat seit den 1950er Jahren stark zugenommen“, erklärt Dr. Karin Jakubowski, Vorsitzende der AGL. „Die Fügsamkeit gegenüber Autoritäten hat deutlich nachgelassen, dafür ist das Bemühen um Autonomie und Freiheit in den Vordergrund gerückt.“ Verunsicherung bei vielen Eltern sei die Folge.

"Die Paarebene ist das Gravitationszentrum"


 „Kern einer funktionierenden Familie ist eine gute Partnerschaft“, sagt Axel Gerland. „Die Paarebene ist so etwas wie das Gravitationszentrum im System Familie.“ Folgerichtig sei der häufigste Grund für eine Entscheidung gegen Kinder nicht etwa die Karriereplanung, sondern es seien Beziehungsprobleme – die wiederum häufig aus Kommunikationsstörungen resultieren. Beraterinnen und Berater werden dann als eine Art Dolmetscher tätig, bemühen sich darum, die Gesprächsfähigkeit in den Familien zu fördern und Kommunikationsmöglichkeiten aufzuzeigen. „Zentrales Thema dabei ist immer die Bindung“, sagt Axel Gerland. 

Eine Stärkung des präventiven Charakters der Beratung wünscht sich Karin Jakubowski: Sie hält einen Einstieg des Landes Niedersachsen in die Förderung der Ehe-, Familien- und Lebensberatung für wünschenswert. Bislang wird dieses wichtige Angebot ausschließlich aus kirchlichen Mitteln finanziert. Anders sieht es in der Erziehungsberatung aus: Beratungsstellen, die sich in diesem Arbeitsfeld engagieren, erhalten eine Gegenfinanzierung aus staatlichen Mitteln der Jugendhilfe.

 

 

17.830 Menschen wurden erreicht

10.606 Beratungsfälle führen die 31 Psychologischen Beratungsstellen im Gebiet der hannoverschen Landeskirche für das Jahr 2015 in ihrer Statistik. Damit wurden 17.830 beratene Personen erreicht.

Etwa je zur Hälfte haben die Beratungsstellen in evangelischer Trägerschaft einen Schwerpunkt im Arbeitsfeld Ehe-, Familien- und Lebensberatung sowie in der Erziehungsberatung.