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Foto: Meret Köhne

Worte, die man sehen konnte

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Pastorin Christiane Neukirch übertrug die Predigt von Landessuperintendentin Petra Bahr in Gebärdensprache. Foto: Meret Köhne


Gebärdensprache bei der Ordination von Nathalie Wolk

„Mit Daumen und Zeigefinger beider Hände beim Hals ansetzend zwei Balken rund zehn Zentimeter nach unten auf den Körper zeichnen.“ So beschreibt Pastorin Christiane Neukirch, landeskirchliche Beauftragte für Gebärdensprachliche Seelsorge, die Gebärde für „Pastor“. Damit bilde man das Beffchen, die zwei weißen Leinenstreifen der evangelischen Amtstracht, nach, erläutert die Theologin aus Hannover. „Für die weibliche Form fasst man mit der rechten Hand anschließend noch an das Ohrläppchen, so wird ‚Pastorin‘ gebärdet.“

Dieses Wort war an einem Sonntag im August in der Matthäus-Kirche in Hannover häufig zu hören – und eben auch zu sehen. Nathalie Wolk wurde an diesem Tag in das Amt der Pastorin ordiniert und in den Dienst der Lister Johannes- und Matthäus-Kirchengemeinde eingeführt. Die aus Göttingen stammende Theologin war zuvor im Rahmen eines Sondervikariates in der Gebärdensprachlichen Seelsorge der Landeskirche tätig. Da viele Weggefährtinnen und -gefährten aus dieser Zeit mitfeiern wollten, war schnell klar, dass der Ordinationsgottesdienst gebärdensprachlich begleitet werden sollte – eine Premiere in der hannoverschen Landeskirche.

Pastorin Christiane Neukirch, Mentorin von Nathalie Wolk während des Sondervikariates, übersetzte nicht nur die Predigt von Landessuperintendentin Dr. Petra Bahr in Gebärdensprache, sondern auch Gebete, liturgische Texte und selbst die Lieder. „Sonst wären die Gehörlosen ja ausgeschlossen, während die Gemeinde singt“, erklärt Christiane Neukirch. Nach dem Ordinationssegen durften dann alle Gottesdienstbesucherinnen  und -besucher selbst ihre Hände einsetzen und bei einem lautlosen Gebärdenlied gestenreich mitsingen.

Die Sprachvielfalt machte Landessuperintendentin Dr. Petra Bahr in ihrer Predigt zum Thema und hob die Übersetzungsarbeit des Pastorendienstes heraus: „Die Liebe Gottes kann in so viele Sprachen übersetzt werden, in Zeichen und Gesten und Handlungen.“ Richtig übersetzt sei die Gottesliebe waghalsig und frech und verstecke sich nicht hinter dem Rücken von Gewohnheiten. Als Pastorin sei Nathalie Wolk nun dazu berufen, die Liebe Gottes zu übersetzen. „Auch in die stumme Sprache der Verzweifelten, die Sprache derer, die das Fragen verlernt haben, in die Sprache der Kirchenverwaltung und der Pfarrkonvente, die Sprache der Kinder und der Dementen“, so die Regionalbischöfin, die erstmals eine Ordination im Stadtgebiet von Hannover leitete.

Pastorin Nathalie Wolk blickt gerne auf ihre Amtseinführung zurück: „Der Gottesdienst zu meiner Ordination war wundervoll. Es war sehr eindrücklich, Christiane Neukirch in Aktion zusehen.“ Und: „Die Gemeinde hat mich herzlich empfangen, es gab sogar ein selbstgedichtetes Ständchen von meinem Kirchenvorstand. Ich bin sehr dankbar, dass ich nun unter Gottes Segen als Pastorin arbeiten darf.“