Familienbrett
Foto: Andrea Hesse

Der systemische Blick hilft

Systemik Thumser u. Lonkwitz
Anna Thumser (links) und Wibke Lonkwitz haben unter anderem die Arbeit mit dem sogenannten Familienbrett kennengelernt. Foto: Andrea Hesse

Erster Grundkurs systemische Seelsorge abgeschlossen

Mehr als 40 Bewerbungen gab es für den Grundkurs Systemische Seelsorge, der im Oktober 2016 am Zentrum für Seelsorge in Hannover begann; angenommen wurden nur 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. „Ich wollte unbedingt dabei sein und hab immer wieder nachgefragt“, erzählt Anna Thumser, Diakonin im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen – und tatsächlich gehörte sie zu den Glücklichen, die eine Zusage erhielten. Gemeinsam mit ihr begann auch Wibke Lonkwitz, Pastorin der Bissendorfer St.-Michaelis-Kirchengemeinde, die Ausbildung. Mittlerweile haben beide den Kurs erfolgreich abgeschlossen und bekamen in einem Abschlussgottesdienst ihre Zertifikate überreicht.

Reflexion der Gesprächsführung

Sowohl Anna Thumser als auch Wibke Lonkwitz beantworten die Frage, ob die Ausbildungsinhalte in der Gemeinde- und Jugendarbeit hilfreich sind, mit einem klaren Ja. „Jedes Kasualgespräch kann in die Tiefe gehen und die Systemik hilft mir sehr, meine Gesprächsführung besser zu reflektieren“, sagt Wibke Lonkwitz. Auch für die weitere Entwicklung ihrer Gemeinde empfindet sie das Gelernte als sehr hilfreich: „Die Systemik fragt nach Menschen und nach Rollen: Wer fehlt hier? Wer fällt hinten runter?“

Auch Anna Thumser bewertet den systemischen Blick sowohl auf die Inhalte als auch auf die Strukturen als sehr hilfreich: „In unserer JuLeiCa-Woche kommt bei den Jugendlichen vieles nach oben. Mir hilft die Ausbildung sehr, sie dabei gut zu begleiten.“ Der systemische Blick helfe ihr außerdem, die beiden verschiedenen Systeme, in denen sie arbeitet – Kirche und Schule – sinnvoll miteinander in Verbindung zu halten.

Stärkung der Professionalität

Sehr zeitaufwändig sei die systemische Grundausbildung gewesen, berichten Wibke Lonkwitz und Anna Thumser: Mehrtägige Gruppentreffen mit verschiedenen Referenten, die Peergroup in Hannover, Literaturstudium, kollegiale Beratung, das Protokollieren von 20 Seelsorgegesprächen mit Reflexion – viel Freizeit gab es während des Ausbildungsjahres nicht. Dennoch war die Entscheidung, sich darauf einzulassen, richtig: „Die systemische Haltung lässt einen anders auf Menschen zugehen – sie bleiben die Experten für ihr eigenes Leben“, sagt Wibke Lonkwitz. „Ich empfinde das als sehr entlastend. Und es gibt mir Gelassenheit, dass ich die Dinge nicht auf mich beziehen, nicht unbedingt verändern muss.“ Eine Stärkung der eigenen Professionalität sieht Anna Thumser: Systemik helfe dabei, die eigene Rolle und den Auftrag zu klären und im Zweifel auch einmal einen Auftrag abzulehnen.

Diakonin Thumser hat in ihrer Arbeit mit jungen Menschen bereits sehr positive Rückmeldungen bekommen: „Du stellst schlaue Fragen und wir haben uns bei dir sehr aufgehoben gefühlt“, sagten ihr Jugendliche – genau das möchte die Diakonin erreichen. Und sie wird, wiederum gemeinsam mit Wibke Lonkwitz, weiter daran arbeiten: Beide beginnen 2018 die zertifizierte zweijährige Ausbildung zur Systemischen Beraterin und werden dafür von der Landeskirche und vom Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen unterstützt. Erwartet wird von ihnen auch, dass sie als Multiplikatorinnen tätig werden: Sie werden Teil eines systemischen Netzwerks sein und daran mitarbeiten, die systemische Seelsorge und Beratung innerhalb der Landeskirche mit Inhalten zu füllen. „Es gibt viele Bereiche, in denen wir tätig werden können“, sagt Wibke Lonkwitz. Sie selbst kann sich vorstellen, in der Vikarsausbildung tätig zu werden, Anna Thumser sieht sich eher im Arbeitsfeld Jugend und Seelsorge. Für beide gilt: „Es ist eine schöne Perspektive, etwas neu zu entwickeln.“