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Foto: Andrea Hesse

Vorträge und Aufsätze

An der Trauer führt kein Weg vorbei, nur hindurch

 

In dem hessischen Dorf meiner Kindheit „trug man Trauer“. Ich weiß nicht, ob Sie das kennen. Wenn in einer Familie ein Trauerfall war, dann trugen die Angehörigen mindestens ein Jahr lang schwarz. Man sah ihnen an, sie hatten einen Verlust erlitten. Man nahm Rücksicht auf sie. Man ging in besonderer Weise mit ihnen um. Trauern hatte Raum und Zeit.

Was ist „Trauer“, warum trauern wir, wie trauern wir oder auch wie verhindern wir Trauer? „Die Trauer“, schreibt Verena Kast in ihrem Buch „Trauern“ , „ist die Emotion, durch die wir Abschied nehmen, Probleme der zerbrochenen Beziehung aufarbeiten und soviel als möglich von der Beziehung und von den Eigenheiten des Partners integrieren können, so
dass wir mit neuem Selbst- und Weltverständnis weiterzuleben vermögen...“

Trauer ist ein Gefühl, das sich in uns einstellt, wenn wir Abschied nehmen, wenn wir einen Verlust erleiden oder wenn Trennung ansteht bzw. erfolgt ist. Dasselbe Gefühl entsteht auch in einer Krise, in einer Krankheit. Wenn ich jetzt darüber schreibe, denke ich in erster Linie an Trauer angesichts des Todes. Trauer betrifft den ganzen Menschen: Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Gefühle der Leere, der Wut, der
Verbitterung, Hadern mit Gott, Rückzug aus dem Bekanntenkreis, ... - dies alles sind körperliche, seelische, spirituelle und soziale Auswirkungen der Trauer, von denen sich Trauernde von einem Tag zum anderen plötzlich betroffen sehen können.

Diese seelische Arbeit „Trauer zu tragen“, haben wir in unserer Gesellschaft weitgehend verlernt.

Gottfried Mahlke

Den gesamten Text des Aufsatzes von Gottfried Mahlke finden Sie rechts zum Download.