Queer-sensible Seelsorge und Beratung

Es braucht das Ringen ums Verstehen

„Queer“ wird meist als Container-Begriff verwendet. Er beschreibt Menschen, die nicht heterosexuell und / oder nicht in ihrem Geburtsgeschlecht leben oder mit männlich und weiblich konnotierten Geschlechtsmerkmalen geboren wurden. Und er wird sehr individuell ausgelegt und mit Leben gefüllt. Eine lesbische Frau z. B. kann sich als queer verstehen oder ein intersexueller Mensch, der einen transgeschlechtlichen Mann liebt.

Gott drückt sich in allen Menschen aus, männlich und weiblich, intergeschlechtlich und genderfluid. Und seine Liebe kennt deutlich weniger Grenzen – falls sie denn überhaupt welche kennt – als unser Denken.

Das Seelsorgeangebot ist die Kernaufgabe dieser Beauftragung. Zuhören, Gehörtes zusammen aushalten oder sich darüber freuen und es sortieren, einander begleiten, vielleicht auch zusammen beten, Segen empfangen. Und dabei weitere Potentiale wahrnehmen: Wo sind Bedürfnisse, was kann getan werden? Aufklärung und Befähigung: Warum fühlen sich manche Menschen ausgeschlossen, wenn die Männer im Psalmengebet beginnen und die Frauen mit den eingerückten Versen antworten? Und wie können wir einen Kasualgottesdienst anlässlich einer Transition begehen? Und feiern: Gottesdienste zu queeren Anlässen wie dem Christopher Street Day, zum Transgender Day of Remembrance, Kasualien in queeren Kontexten …

Natürlich braucht diese Stelle auch eine theologische Grundlage. Es hilft nichts, einander Bibelstellen nur vorzulesen, gar um die Ohren zu hauen, um die eigene Einstellung zu stützen – vielmehr braucht es ein Ringen ums Verstehen, einen ergebnisoffenen Diskurs und dann Pflöcke, die wir einschlagen: Hinter diese Erkenntnis gehen wir nicht zurück.

Radio-Gottesdienst im Deutschlandfunk

„Queeres Leben – Segen für alle“ – unter diesem Motto sendet der Deutschlandfunk am Sonntag, 12. Februar, ab 10 Uhr aus der Bethlehemkirche in Hannover-Linden einen Radiogottesdienst. Pastor Marcus Buchholz hält die Predigt und sagt: „Gottes wunderbare Welt ist ein Ort für alle Menschen, unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität, ihrer sexuellen Orientierung, ihrem Familienbild oder sonst einer Ausprägung ihres Seins. Wichtig ist, dass Frieden und Liebe unser Miteinander bestimmen – da ist Segen drin.“

Als Talkgast wird Theodor Adam dabei sein. Der Theologe freut sich, dass in diesem Gottesdienst queere Stimmen direkt zu Wort kommen. Kirchenmusiker Jürgen Begemann wird den Gottesdienst mit der Bethlehemband und mehreren Chören musikalisch gestalten.

Im Anschluss an den Gottesdienst können interessierte Hörer:innen zwischen etwa 10.45 und 13 Uhr anrufen und auf das gerade Gehörte reagieren.

Ökumenisch, politisch, für alle: queere Gottesdienste für Hannover und drumrum

„An (möglichst) jedem ersten Dienstag im Monat wollen wir in und um Hannover an wechselnden Orten queere Gottesdienste feiern“, sagt Pastor Theodor Adam, landeskirchlicher Beauftragter für Queer-sensible Seelsorge und Beratung. „Dabei lassen wir uns inhaltlich von besonderen Anlässen, Feiertagen und Gedenktagen inspirieren.“ Vorbereitet werden diese Gottesdienste von einem ökumenischen Team. 

Alle Gottesdienste beginnen um 19 Uhr (Ausnahmen sind gekennzeichnet); der jeweilige Ort wird hier rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle interessierten Menschen!

Dies sind die aktuell geplanten Termine und Themen (die Liste wird kontinuierlich fortgeführt):

  • 12. Februar: Queer-sensibler Radiogottesdienst im Deutschlandfunk
    Ort: Bethlehemkirche, Bethlehemplatz 1, 30451 Hannover
    Zeit: 10.00 Uhr     
  • 14. Februar: "Lasst uns die Liebe feiern!" (Valentinstag)
    Ort: Jugendkirche (Lutherkirche), An der Lutherkirche, 30167 Hannover
  • 28. Mai: Gottesdienst zum Christopher Street Day
    Ort: Opernplatz Hannover
    Zeit: voraussichtlich 10.00 Uhr

Ihr Ansprechpartner

Pastor Theodor Adam

Landeskirchlicher Beauftragter für Queer-sensible Seelsorge und Beratung

Foto: Theo Adam

Es bewegt sich etwas

Kleines Schild, große Wirkung: Das Zentrum für Seelsorge und Beratung (ZfSB) der hannoverschen Landeskirche hat sich selbst ein besonderes Geschenk gemacht: genderneutrale Toilettenschilder. „Das sorgt nicht nur für kürzere Schlangen und eine bessere Verteilung immer dann, wenn das Haus voll ist mit Kursteilnehmer:innen, sondern vor allem dafür, dass sich niemand mehr bei dringenden Bedürfnissen im binären Geschlechtersystem verorten muss“, sagt Pastor Theo Adam, Beauftragter für Queer-sensible Seelsorge und Beratung am ZfSB. „Es bewegt sich etwas! “

„Weil unser Haus ohnehin nur über Einzeltoiletten verfügt, konnten wir diese Lösung auf Anregung von Theo Adam kurzfristig umsetzen“, sagt Angela Grimm, Direktorin des ZfSB. „Darüber freue ich mich.“