Mit einem Gottesdienst in der Klosterkirche Lilienthal feierte die Notfallseelsorge (NFS) des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck vor einigen Tagen ihr 25-jähriges Bestehen. Viele Gäste aus Kirche, Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten nahmen an dem Festgottesdienst teil, um ihre Verbundenheit mit der Notfallseelsorge auszudrücken.
Pastor Hans-Jürgen Bollmann, Leiter der Notfallseelsorge im Kirchenkreis und NFS-Sprengelbeauftragter, begrüßte die Gemeinde und erinnerte an die Anfänge der Notfallseelsorge, die vor einem Vierteljahrhundert echte Pionierarbeit bedeuteten.
"Danke, dass Sie da waren"
„Am Ende eines Einsatzes wiederholt sich oft dieselbe Szene“, sagte Bollmann in seiner Predigt. „Der Einsatz ist vorbei, der Raum soll verlassen werden – und jemand sagt: danke, dass Sie da waren.“ Diese Dankbarkeit, so Bollmann, sei das, was die Arbeit der Notfallseelsorge ausmache – für das Da-Sein, das Da-Bleiben, das Mit-Aushalten.
In ihren Grußworten unterstrichen Vertreter*innen der Polizei, der Feuerwehr und des Roten Kreuzes die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Notfallseelsorge: „Der schwerste Schritt ist immer das Überbringen von schlechten Nachrichten. Hier beginnt das Unbegreifliche – und hier sind Sie von der Notfallseelsorge unverzichtbare Partner für uns“, erklärte Sarah Humbach, Leiterin des Polizeikommissariats Osterholz-Scharmbeck. Ihre Kollegin Antje Schlichtmann, Leiterin der Polizeiinspektion Verden/Osterholz, ergänzte: „Sie treten ohne Uniform auf, dafür mit Menschlichkeit. Ihr Mitgefühl und Ihr Vertrauen geben den Menschen Halt – und uns Sicherheit.“
"Es wird nicht einfach wieder gut"
Auch Gerrit Beckmann vom Deutschen Roten Kreuz hob hervor, wie wichtig die seelsorgliche Begleitung in Krisensituationen ist: „Bei Unfällen oder Reanimationen beginnt Ihre Arbeit dort, wo unsere aufhört. Sie behalten den Menschen im Blick – auch die Angehörigen benötigen Fürsorge, und für sie sind Sie da.“ Kreisbrandmeister Jan Hünken würdigte die enge Verbindung zur Feuerwehr: „Was vor 25 Jahren begann, war echte Pionierarbeit; dank euch wurde das Thema seelische Belastung ernst genommen. Heute haben wir eigene Angebote für Einsatzkräfte – auch das ist euer Verdienst.“
Ein geistliches Wort brachte Joachim Wittchen, landeskirchlicher Beauftragter für Notfallseelsorge, ein. Er nahm die biblische Geschichte von der Heilung des Blinden bei Jericho als Beispiel: Jesus fragt den Mann „Was willst du, dass ich für dich tun kann? Keine Vertröstung, kein „Das wird schon wieder“. „Denn es wird nicht einfach wieder gut“, so Wittchen. „Wenn ein Mensch aus der Mitte gerissen wird, bleibt eine Leerstelle. Seelsorge heißt, das Schweigen auszuhalten und Raum für das Unbegreifliche zu lassen.“
Quelle: Andreas Hanuschek, Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck