„Mich interessiert, was du sagst!“

Peer-to-Peer-Seelsorge hat ihren Ort im ZfSB gefunden

Angela Grimm (von links), Sonja Winterhoff und Petra Eickhoff-Brummer sind sehr froh über die Verankerung der Peer-to-Peer-Seelsorge im ZfSB. Foto: Andrea Hesse

Die Peer-to-Peer-Seelsorge für junge Menschen hat im Zentrum für Seelsorge und Beratung (ZfSB) in Hannover ihren Ort gefunden: Als Beauftragte für dieses neue Arbeitsfeld nahm Diakonin Sonja Winterhoff Anfang Februar ihren Dienst auf. „Damit haben wir und die hannoversche Landeskirche ein Alleinstellungsmerkmal in der EKD“, hebt Angela Grimm, Direktorin des ZfSB, hervor.

„Bereits 2019 wurde der Wunsch nach der Entwicklung eines Konzeptes für die Peer-to-Peer-Seelsorge geäußert“, erzählt Petra Eickhoff-Brummer vom ZfSB. Die landeskirchliche Beauftragte für Systemische Seelsorge bot damals Grundkurse in systemischer Seelsorge an, in denen sich auch Diakone und Pastorinnen aus der Jugendarbeit in Seelsorge weiterqualifizierten und die Peer-to-Peer-Seelsorge nachfragten. Parallel richteten Interessierte eine Anfrage an das Landesjugendpfarramt, die dort von Pastor Marco Kosziollek aufgegriffen wurde. 

Bundesweites Interesse

„Wir haben daraufhin unsere Fachexpertise zusammengeführt“, berichtet Eickhoff-Brummer. „Das war eine großartige Zusammenarbeit – immer kooperativ, sachorientiert und konstruktiv.“ Aus dieser Zusammenarbeit heraus entstanden zwei Werkstatthefte zur Peer-to-Peer-Seelsorge: zunächst das Basismodul „Was tun, wenn jemand weint?“, wenig später das Aufbaumodul „Mich interessiert, was du sagst!“.

Eine Besonderheit dieser Werkstatthefte lag darin, dass sie nur an Mitarbeitende in der evangelischen Jugendarbeit ausgegeben wurden, die zuvor eine Schulung zum Thema absolviert hatten. Das Interesse war riesengroß: Bundesweit wurden die Schulungen und Werkstatthefte von religionspädagogisch Ausgebildeten nachgefragt; das Konzept der Peer-to-Peer-Seelsorge durchlief so zahlreiche Praxiserprobungen. „Für Kirche und Seelsorge war die Idee ‚Peer to Peer‘ völlig neu, während sie außerhalb dieses Zusammenhangs schon sehr geläufig war“, erzählt Sonja Winterhoff. So beschäftigte sie und andere Mitarbeitende in der Jugendarbeit die Frage, warum es bei jedem großen Musikfestival ein Seelsorge-Angebot gab, nicht jedoch beim Landesjugendcamp der Evangelischen Jugend, das alle zwei Jahre in Verden stattfindet.

Teamer*innen stark machen

„Uns ging es grundlegend darum, dass wir junge Menschen, die als Teamer*innen ihre Zeit in der Evangelischen Jugend einsetzen, stark machen wollten für die Arbeit, die sie mit Engagement und Freude tun, die ihnen aber manchmal schwerfällt“, so Winterhoff. „Wir wünschten uns hilfreiche Ideen für Situationen, in denen Gespräche in die Tiefe gehen, bei Heimweh Unterstützung gebraucht wird oder einfach jemand weint und diese Tränen eine Teamerin oder einen Teamer unter Druck setzen.“

Die Rückmeldungen aus der Jugendarbeit in vielen Zusammenhängen und an vielen Orten waren durchweg positiv: Das Material sei praxistauglich und ausgesprochen hilfreich. Als Konsequenz daraus entwickelten Eickhoff-Brummer und Kosziollek die Werkstatthefte zu einem Buch weiter, in das sie auch das Thema „Kollegiale Beratung“ aufnahmen. Ende 2023 erschien „Mich interessiert, was du sagst!“, zu dessen Entstehung zahlreiche Mitarbeitende aus der evangelischen Jugendarbeit mit Formulierungen, Hinweisen und Praxisbeispielen beigetragen hatten. Schon im Vorfeld der Veröffentlichung hatten mehrere Landeskirchen Bücher angefordert – ein ermutigendes Zeichen für die Herausgebenden.

Elementares Herangehen an Seelsorge

„Das Buch ist wie ein Baukasten aufgebaut und ermöglicht ein so elementares Herangehen, dass jede und jeder verstehen kann, was Seelsorge ist“, erklärt Angela Grimm den Erfolg. Gleichzeitig betont sie, dass sich niemand nach Absolvieren der Schulungen und Lektüre des Buches als ausgebildete Seelsorgerin verstehen dürfe, da zur Seelsorge zudem ein besonderer kirchlicher Auftrag notwendig ist. Dankbar ist die ZfSB-Direktorin für die starke Unterstützung, mit der das Kuratorium des Zentrums für Seelsorge und Beratung und das Seelsorgereferat der hannoverschen Landeskirche die Schaffung einer neuen halben Stelle für die Peer-to-Peer-Seelsorge unterstützten.

Diakonin Sonja Winterhoff, die mit ihrem zweiten Stellenanteil im Kirchenkreisjugenddienst Celle tätig ist, sieht ihre Aufgabe insbesondere darin, die Kolleg*innen in der Jugendarbeit mit in die Peer-to-Peer-Seelsorge hineinzunehmen. Sie möchte Basis- und Aufbaumodule dort anbieten, wo Interesse besteht; darüber hinaus ein Netzwerk aufbauen. „Hier soll es kurze Schulungsimpulse geben und Unterstützung, um das Konzept in der Jugendarbeit lebendig werden zu lassen; möglicherweise auch Fallbesprechungen“, so Winterhoff. In den kommenden Osterferien wird sie an der Hochschule Hannover ein Praxisseminar zur Peer-to-Peer-Seelsorge anbieten, sich außerdem an Projekten beteiligen: unter anderem an der Camp-Seelsorge im Landesjugendcamp 2024 und am Evangelischen Kirchentag 2025.

"Mich interessiert, was du sagst!"

Das Praxisbuch zur Peer-to-Peer-Seelsorge "Mich interessiert, was du sagst!" ist im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich oder kann direkt beim Verlag bestellt werden.