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Foto: Andrea Hesse

Es gibt nicht nur einen Weg

Nachricht 16. Juli 2019

Ehrenamtliche lassen sich in Südniedersachsen für die Seelsorge ausbilden

Freude über den erfolgreichen Abschluss des Basiskurses Seelsorge (von links): Barbara Thomsen, Klaus-Peter Meiners, Heike Pflugmacher und Ulrike Otto waren mit Engagement dabei. Foto: Christiane Plöhn

„Es geht nicht um das, was ich denke. Es geht darum, darauf zu achten, was das Anliegen meines Gegenübers im Gespräch ist“, bilanziert ein Teilnehmer eine Fallbesprechung. „Erstaunlich ist auch, wieviel ich über mich selbst gelernt habe, ohne dass ich mich vorgeführt fühlen musste.“

Zwölf Frauen und Männer aus dem Süden Niedersachsens haben gerade ihre Ausbildung zur ehrenamtlichen Seelsorgerin oder zum ehrenamtlichen Seelsorger abgeschlossen. An drei Wochenenden und fünf Samstagen, verteilt auf neun Monate, absolvierten sie eine gleichermaßen anspruchsvolle wie abwechslungsreiche Ausbildung mit 90 Theoriestunden, einem Praktikum, Kleingruppenarbeit und Einzelsupervisionen. „Zu Beginn erschien mir das alles wie ein hoher Berg, aber heute merke ich, dass die Zeit wie im Flug vergangen ist. Ich finde es schade, dass der Kurs zu Ende ist“, sagt eine Teilnehmerin und andere stimmen ihr zu. 

In der Heimvolkshochschule Mariaspring in Bovenden sowie im Gemeindehaus der Corvinus-Kirchengemeinde Northeim trafen sich die Teilnehmenden unter Leitung von Christiane Plöhn, Pastorin und Supervisorin am Zentrum für Seelsorge in Hannover, und Matthias Spiegel-Albrecht, Pastor im evangelischen Krankenhaus in Weende. Aus dem Eichsfeld, den Kirchenkreisen Leine-Solling, Göttingen und Harzer Land waren die Anfahrtswege für alle überschaubar.

Botschaften werden sehr unterschiedlich verstanden

In den gemeinsamen Theorieblöcken standen die Themen Gesprächsführung, Nachdenken über die eigene Person und den Glauben sowie rechtliches und ethisches Entscheidungshandeln im Mittelpunkt. Den größten Erkenntnisgewinn zogen allerdings alle aus den anonymisierten Fallbesprechungen in der Gruppe: „Es gibt nicht den einen richtigen Weg – Botschaften können sehr unterschiedlich ausgedrückt und verstanden werden“, lautete ein Fazit.

„Künftige Seelsorgefelder für die Absolventinnen und Absolventen des Kurses können Besuche in Krankenhäusern, in Reha-Kliniken und Altenheimen sein“, erklärt Christiane Plöhn. Auch in Kirchengemeinden eröffneten sich Möglichkeiten durch „Gespräche bei Gelegenheit“ in offenen Kirchen oder als verschwiegene Zuhörerin oder Zuhörer im Rahmen von Freizeiten. „Ein weiteres Feld in Kirchengemeinden können verabredete Seelsorgeorte wie Kirchencafés und Krankheits- oder Trauerbegleitungen sein“, so Kursleiterin Plöhn. Über ihre Superintendentur werden die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer beauftragt; die jeweiligen Kirchenvorstände oder Einrichtungsleitungen sind ihre nächsten Ansprechpartner.

Konzept für die Ausbildung vor Ort

Christiane Plöhn setzt in ihren Ausbildungskursen auf Dezentralität und freut sich sehr über den erfolgreich abgeschlossenen Kurs in der „Niedersächsischen Toskana“. „Es muss nicht jeder Kurs in Hannover stattfinden“, sagt sie. Aktuell erarbeitet sie ein Konzept, das Ausbildungskurse entsprechend der Nachfrage an verschiedenen Orten ermöglicht, und vertraut dabei auf eine enge Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Kolleginnen und Kollegen vor Ort.

An der Seelsorgeausbildung für Ehrenamtliche Interessierte können sich unter Christiane.Ploehn@evlka.de oder 0511 79 00 31-13 direkt an Christiane Plöhn wenden. Ein neuer Ausbildungskurs, diesmal wieder in Hannover, beginnt im März 2020; der Informationsabend zu diesem Angebot findet am 15. Januar 2019 im Zentrum für Seelsorge statt.