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„Mehr Himmel auf Erden“

Kirche zeigt Gesicht für Vielfalt mit einem Gottesdienst zum CSD

Leon-Marie (von links), Christine, Meret, Michael und Nica vom Vorbereitungsteam freuen sich auf den Gottesdienst zum Auftakt des CSD Hannover in der Marktkirche. Bild: Stephan Lackner

Die Queersensible Seelsorge der Landeskirche Hannovers lädt für Freitag, 22. Mai, erstmals zu einem besonderen Gottesdienst ein: Am Vorabend des Christopher Street Day (CSD) steht die evangelische Kirche mit einem zentralen Gottesdienst in der Marktkirche in Hannovers Altstadt für Vielfalt, Respekt und die uneingeschränkte Würde jedes Menschen ein. Beginn ist um 18 Uhr.

„In Zeiten, in denen queeres Leben erneut unter Druck gerät und Diskriminierung wieder zunimmt, schlagen wir mit diesem Gottesdienst einen deutlichen Pflock ein“, erklärt Theodor Adam vom Zentrum für Seelsorge und Beratung. „Wir glauben, dass der Himmel allen Menschen offensteht, unabhängig von ihrer Geschlechtlichkeit und ihren Liebesformen und dass in Gottes Reich niemand bevorzugt oder benachteiligt wird. Das wäre auch schon jetzt wunderbar, daher stellen wir den Gottesdienst unter die Forderung ‚Mehr Himmel auf Erden‘“, so der landeskirchliche Beauftragte für Queersensible Seelsorge und Beratung.

Der Gottesdienst steht für eine dialogorientierte Kirche, die sich klar an die Seite queerer Menschen stellt und gesellschaftliche Vielfalt als Bereicherung versteht. Er richtet sich ausdrücklich an alle Menschen unabhängig von sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität, Herkunft oder religiöser Bindung. Die Vielfalt zeigt sich auch in der musikalischen Gestaltung: Unterschiedliche musikalische Stile treten miteinander in Beziehung, von klassischer Kirchenmusik bis Pop ist alles dabei. „Wenn wir von mehr Himmel auf Erden singen, dann geschieht das in solchen Momenten. Genau hier, wo unterschiedliche Stimmen, Musik und Menschen zusammenkommen und gemeinsam etwas von dieser Hoffnung fühlbar wird“, sagt Landeskirchenmusikdirektor Benjamin Dippel.

Mitwirkende sind neben Theodor Adam und Benjamin Dippel auch Landesbischof Ralf Meister, Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes und der schwule Männerchor Hannover „Meine Herr’n“. Im Anschluss sind alle Besuchenden eingeladen zu Sekt und Brause unter der Orgelempore.

Der Gottesdienst ist Teil eines wachsenden Engagements der Kirche, Räume für Begegnung, Austausch und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu öffnen. „Ich bin nicht queer. Aber ich bin Christin — und das verpflichtet mich. In einer Welt, in der rechte und fundamentalistische Kräfte die Menschenwürde queerer Menschen wieder offen angreifen, kann Kirche nicht bei sich selbst bleiben“, sagt Mit-Initiatorin Pastorin Christine Schröder. Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung steht der Gottesdienst für Respekt, Sichtbarkeit und ein friedliches Miteinander in Vielfalt.