Foto: Andrea Hesse

"Die Offenheit hat uns berührt"

Seelsorge stellt sich auf der Landesgartenschau vor

Die Pastoren Carsten Krabbes, Thomas Gleitz und Achim Blackstein stellten das Angebot der Chatseelsorge auf der Landesgartenschau vor. Foto: privat

Bei strahlendem Sonnenschein präsentierte die Chatseelsorge der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers jetzt ihr digitales Angebot auf der Landesgartenschau in Bad Nenndorf. Drei Mitarbeiter des Beratungsangebotes nutzten die Gelegenheit, um Besucher*innen die Möglichkeit vorzustellen, anonym und niedrigschwellig mit einer Seelsorgerin oder einem Seelsorger zu chatten – also ein Schreibgespräch zu führen.

Die Besucher*innen im Kirchenzeit der Landesgartenschau zeigten großes Interesse an dem Angebot, das Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen Unterstützung bietet. „Es war ein wunderbarer Tag“, stellte Pastor Achim Blackstein, Beauftragter für Digitale Seelsorge und Beratung im Zentrum für Seelsorge und Beratung, am Ende fest. Gemeinsam mit seinen Kollegen Pastor Thomas Gleitz und Pastor Carsten Krabbes stellte er die Chatseelsorge Interessierten vor. „Die Gespräche haben gezeigt, wie wichtig es ist, über digitale Wege niedrigschwellig Seelsorge zugänglich zu machen. Die Offenheit und das Interesse der Menschen haben uns sehr berührt.“

Die Chat-Seelsorge ist ein kostenloses, digitales Beratungsangebot, das Menschen die Möglichkeit gibt, sich in herausfordernden Lebenssituationen auszutauschen. Ob Sorgen, Stress, Einsamkeit oder existenzielle Fragen: Die Chatseelsorge ist nur einen Klick entfernt. Weitere Informationen und der direkte Zugang zum Chat ist zu finden auf www.chatseelsorge.de.

Sehen mit anderen Augen – ein Perspektivwechsel

Tamara Meyer-Goedereis ermöglichte vielen Besucher*innen der Landesgartenschau einen Perspektivwechsel. Foto: privat

Wie fühlt es sich an, wenn die Welt plötzlich unscharf wird, Kontraste verschwinden oder nur noch ein kleiner Ausschnitt des Sichtfeldes bleibt? Auf der Landesgartenschau in Bad Nenndorf konnten Besucher*innen genau das ausprobieren.

„Mit meinem Stand zur blinden- und sehbehindertenseelsorglichen Arbeit wollte ich nicht einfach Informationen vermitteln. Ich wollte einen Perspektivwechsel ermöglichen: einmal ausprobieren, wie sich der Alltag mit einer Sehbehinderung anfühlen kann und miteinander ins Gespräch kommen“, sagt Tamara Meyer-Goedereis, Beauftragte für Blinden- und Sehbehindertenseelsorge im Zentrum für Seelsorge und Beratung.

Dafür gab es verschiedene Mitmachangebote: Mit Simulationsbrillen konnten die Besucher*innen unterschiedliche Sehbeeinträchtigungen erleben. Plötzlich wurde eine Speisekarte zur Herausforderung, Münzen waren nicht mehr so leicht zu unterscheiden und selbst das Einschenken von Wasser in ein Glas erforderte unerwartet viel Konzentration.

Vertrauen und gute Kommunikation

Besonders eindrücklich war für viele die Erfahrung, sich führen zu lassen oder sich nur auf akustische Hinweise zu verlassen. Dabei wurde schnell deutlich, wie wichtig Vertrauen, eine gute Kommunikation und eine klare Orientierung sind. Gleichzeitig wurde spürbar, wie viel Konzentration ein scheinbar einfacher Weg kosten kann.

Auch die digitale Welt wurde zum Erfahrungsfeld: Auf dem eigenen Smartphone konnten Interessierte ausprobieren, wie Informationen mit einer Sprachausgabe zugänglich werden oder wie problematisch eine schlecht gestaltete Internetseite sein kann. „Barrierefreiheit ist längst nicht nur eine Frage von Treppen, Wegen oder Türen. Sie entscheidet auch darüber, ob Menschen digitale Informationen selbstständig nutzen können“, sagt Meyer-Goedereis. Sie freute sich auch über zahlreiche, sehr persönliche Rückmeldungen: „Ich hätte nie gedacht, wie schwierig der Alltag ist, wenn man sehbehindert ist. Vielen Dank für die wichtige Erkenntnis“, bedankte sich eine Besucherin. Eine andere erklärte, ihre sehbehinderte Mutter jetzt besser zu verstehen.

„Für manche entstand so ein neuer Blick auf einen Menschen in der eigenen Familie, auf Freundinnen und Bekannte oder auf Menschen, denen sie täglich begegnen“, sagt Seelsorgerin Meyer-Goedereis. An meinem Stand wurde deutlich, wie schnell aus einer kurzen Selbsterfahrung Verständnis und Empathie entstehen können.“ Der Stand in Bad Nenndorf sei daher weit mehr als ein Informationsangebot zur Seelsorge: „Er war ein Ort für Begegnung, Ausprobieren, Fragen, Lachen, Staunen und manchmal auch für einen Moment des Nachdenkens. Vielleicht ist genau das der wichtigste Perspektivwechsel: nicht zuerst zu fragen, was ein Mensch aufgrund seiner Sehbehinderung nicht kann. Sondern zu schauen, was möglich wird, wenn wir Barrieren abbauen und Menschen wirklich begegnen.“

Die Landesgartenschau in Bad Nenndorf bot für diese Erfahrung einen wunderbaren Rahmen.