Es war einer der letzten sommerlichen Tage. Ende September reisten Gebärdende aus ganz Niedersachsen nach Bad Nenndorf zur Landesgartenschau. Manche parkten ihr Auto auf dem Großparkplatz und stiegen über den waldigen Hügel bis zum Kirchenpavillon herunter. Andere fuhren mit Bahn und Bus und spazierten durch den Kurpark bis zu dem weißen Zeltdach. Dort hatte Pastorin Ulrike Scheibe, Beauftragte für Gebärdensprachliche Seelsorge schon Informationen für hörende Besucher*innen ausgelegt sowie Gebärdenquartette zum Mitnehmen.
Die 35 angemeldeten gehörlosen und schwerhörigen Personen lernten in einer gebärdensprachlichen Führung einen Teil der riesigen Pflanzenausstellung kennen. Dabei war zwischendurch immer wieder Zeit fürs „Plaudern“, wie ältere Gebärdende ihre Unterhaltung gerne nennen.
Am frühen Nachmittag wurde dann gemeinsam mit Besucher*innen im Kirchenpavillon ein Gottesdienst gefeiert – natürlich in Gebärdensprache mit Übertragung für Hörende in die deutsche Lautsprache. Das Gottesdienstteam war vielfältig besetzt: Da waren die gebärdensprachlichen hörenden Pastorinnen Christine Schirrmacher (Sprengel Lüneburg), Inke Wegener (Sprengel Göttingen-Hildesheim) und Ulrike Scheibe (Sprengel Hannover) und die gebärdensprachliche gehörlose Pastorin Josephine Lew (Pfalz). Sie hatte ihren Kurs angehender gehörloser Lektor*innen mitgebracht, und diese gebärdeten Lieder und Gebete. Ein Gewinn für alle – egal, ob der Inhalt mit den Augen oder den Ohren aufgenommen wurde.