Foto: Andrea Hesse

Gebärdensprachliche Seelsorge

Zugehörigkeit und Heimat für hörgeschädigte Menschen

Im Bereich der hannoverschen Landeskirche leben etwa 3.000 gehörlose Gemeindeglieder; ihre Sprache ist die Deutsche Gebärdensprache (DGS).

Viele Vorgänge der hörenden Welt bleiben gehörlosen Menschen unverständlich – sie denken nicht in Worten und Sätzen, sondern in Bildern und Gebärden. Die Gebärdensprache ist visuell aufgebaut, ganz anders als die deutsche Lautsprache. Es ist daher notwendig, gehörlosen Gemeindegliedern kirchliches Leben in allen seinen Formen in ihrer eigenen Sprache zu vermitteln. Außerdem gehören zu den Gebärdengemeinden Menschen mit geringer Resthörfähigkeit, die ebenfalls auf Gebärdensprache angewiesen sind.

Auch die nächsten Angehörigen der gebärdenden Personen sind in der Regel Teil der Gemeinschaften. Für all diese Menschen lassen sich Pastorinnen und Pastoren in Gebärdensprache ausbilden: Zurzeit sind vier evangelisch-lutherische Pastorinnen und Pastoren in neun Gebärdengemeinden im Bereich der Landeskirche Hannovers tätig, eine davon ehrenamtlich neben ihren Aufgaben in großen hörenden Gemeinden. Eine Pastorin der Reformierten Kirche ist für die Arbeit in vier ostfriesischen Gemeinden verantwortlich.

Zu den Kernaufgaben der Gebärdensprachlichen Seelsorge gehört neben der Gestaltung von Gottesdiensten, anderen kirchlichen Veranstaltungen und dem Erteilen von Konfirmand*innenunterricht die seelsorgliche Begleitung gebärdender Menschen und ihrer Angehörigen. Sie geschieht bei Besuchen im Zusammenhang mit Kasualien oder in Lebenssituationen, die besondere Begleitung erfordern. Ziel ist es, dass auch diejenigen, die aufgrund ihrer akustischen Beeinträchtigung fast überall sonst vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sind, in der Kirche Zugehörigkeit und Heimat finden können.

Die Zahl von hörgeschädigten Menschen in Deutschland steigt. Das heißt für uns, dass wir zukünftig mehr gebärdenkompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausbilden müssen. Und es heißt für alle kirchlichen Ausbildungsfelder, dass sie Basiswissen über Hörschädigung und Gehörlosigkeit vermitteln sollten.

Wir stehen allen kirchlichen Mitarbeiter*innen gern zur Seite, wenn sie den Wunsch haben, sich Wissen anzueignen, wenn sie Gebärden lernen möchten oder eine*n Gebärdendolmetscher*in für eine kirchliche Veranstaltung suchen.

Ihre Ansprechpartnerin

Pastorin Ulrike Scheibe
Blumhardtstraße 2A
30625 Hannover

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