Schwerhörigenseelsorge

Schwerhörigenseelsorge ermuntert, begleitet und berät

"Ich verstehe Sie nicht. Ich bin schwerhörig.“ Wer sich traut, diese Sätze auszusprechen, ist auf gutem Weg. „Können wir gemeinsam eine Situation schaffen, in der ich Sie verstehen kann?“ Wer sich auch noch diesen Satz zu sagen traut, hat das Ziel fast erreicht.

Schwerhörigenseelsorge ermuntert schwerhörige Menschen, selbstbewusst und offen mit ihrer Einschränkung umzugehen. Sie stärkt sie in dem Wissen, dass sie als Geschöpfe Gottes in ihrer Einschränkung nicht nur vollständig angenommen, sondern auch als Bereicherung angesehen werden.

Sie begleitet und berät Angehörige von Schwerhörigen. Sie schafft in einer Kirche des gesprochenen Wortes die Möglichkeit, dieses Wort für Schwerhörige adäquat „auszusprechen“ und bedient sich dazu bei Gottesdiensten, in Andachten und in der Seelsorge auch nonverbaler, digitaler Kommunikationsformen.

Schwerhörigenseelsorge trägt mit Vorträgen im kirchlichen und außerkirchlichen Kontext dazu bei, dass das Thema Schwerhörigkeit in Kirche und Gesellschaft vernetzt wahrgenommen wird.

Regelmäßig unregelmäßig: Ermunterungstexte

Beate Gärtner schreibt als Beauftragte für Schwerhörigenseelsorge regelmäßig unregelmäßig Ermunterungstexte. Einige dieser Texte werden auf dieser Seite veröffentlicht (unten); in der Spalte rechts finden Sie den Link zum Download.

Alle Ermunterungstexte werden über einen dafür eingerichteten Verteiler verbreitet. Wer in diesen Verteiler aufgenommen werden möchte, schreibe eine kurze Mail an Beate.Gaertner@evlka.de.

Lifestyle

Ich sitze an meinem PC und will arbeiten. Draußen wird gebaut. Genauer: Es werden gerade Steinplatten verlegt. Und ziemlich viele von denen müssen vorher mit einer Flex zugeschnitten werden.

Außerdem ist heute unsere Haushaltshilfe da. Und die saugt gerade.

Ihr ahnt es: Ich bin von ohrenbetäubendem Lärm umgeben. Und ich merke, wie mich dieser Lärm zunehmend stresst und von der Arbeit abhält.

Doch da fällt mir ein: Ich kann mit meinen Hörgeräten ja über mein Handy meine Umgebung stummschalten! Das mache ich dann auch sofort. Und unverzüglich setzt Stille ein.

Ich konzentriere mich wieder auf die Arbeit. Und habe sofort eine neue Idee für einen Ermunterungstext. Ich tippe die Überschrift in den PC: „Lifestyle“.

Dabei schweifen meine Gedanken kurz ab zu meinem gerade beendeten Urlaub in Kopenhagen. Da sind mein Mann und ich nämlich an einem Abend zum Italiener zum Essen gegangen. Es war dort brechend voll, und rechts von uns saß eine große Gruppe junger US-Amerikaner. Die unterhielten sich kreuz und quer über ihren Tisch – und das entsprechend laut.

Mein Mann und ich versuchten eine Unterhaltung. Aber nur kurze Zeit später sagte er zu mir: „Ich höre dich nicht.“ „Ich dich auch nicht“, antwortete ich. „Aber ich schalte jetzt einfach auf mein zweites Programm: ‚Gruppe‘“.

Sofort wurden die Umgebungsgeräusche abgedämmt, und ich konnte meinen Mann gut hören. Und er? Hörte mich deutlich schlechter, saß deshalb die meiste Zeit vornübergebeugt am Tisch und musste immer wieder nachfragen.

Hörgeräte sind ‚Lifestyle‘, dachte ich, und tippe diesen Gedanken jetzt für meinen neuen Ermunterungstext in den PC. Noch einmal schweife ich in Gedanken ab. Weil ich finde, dass sogar meine Schwerhörigkeit etwas mit ‚Lifestyle‘ zu tun hat!

Wenn ich nämlich abends erst nach meinem Mann ins Bett gehe, und der dann schon schläft, höre ich bereits an der Schlafzimmertür sein lautes Schnarchen. Aber darunter habe ich nicht zu leiden, weil ich einfach nur meine Hörgeräte aus den Ohren nehme, und auch für mich dann sofort Schlafesruhe eintritt. 😉

So, mein Ermunterungstext ist eingetippt. Jetzt bleibt mir nur noch, euch viel Spaß beim Lesen zu wünschen!

Ihre Ansprechpartnerin

Pastorin Beate Gärtner
Tel.: 0170 6709550

Landeskirchliche Beauftragte für Schwerhörigenseelsorge

Über die Mauer der Schwerhörigkeit springen

Die Ausgabe Nr. 34 der Zeitschrift „SeelsOHRge“ der Evangelischen Schwerhörigenseelsorge in Deutschland steht unter der Überschrift „Quando, quando, quando?“. 

„Es macht einen Unterschied, wann man schwerhörig geworden ist“, heißt es im einleitenden Text. Redakteurin Antje Donker führte dazu ein Gespräch mit Pastorin Beate Gärtner.

Zum Interview