Ohrensessel-Gespräche

Seele stärken durch Zuhören

Seele stärken durch Zuhören: Monika Diercks führt ein Ohrensessel-Gespräch in einer Fußgängerzone in Hannover. Foto: Verena Altenhofen

Mitten im Trubel des Alltags stehen sie da: zwei bequeme Ohrensessel (oder eine Bank), einladend platziert an einem belebten Ort – vor einer Einrichtung, auf dem Kirchplatz oder in der Fußgängerzone. Wer vorbeikommt, darf Platz nehmen. Für ein paar Minuten. Für ein offenes, anonymes Gespräch. Für das, was gerade auf der Seele liegt.

Die Aktion „Ohrensessel-Gespräche“ lebt von ihrer Einfachheit. Es geht nicht um Beratung im klassischen Sinn, nicht um Lösungen oder Diagnosen. Es geht ums Dasein, ums Zuhören, ums Ernstnehmen. Menschen erzählen von kleinen Alltagssorgen, von Belastungen, von Einsamkeit oder einfach davon, was sie gerade beschäftigt. Viele sind überrascht, wie gut es tut, gesehen und gehört zu werden – ganz ohne Verpflichtung.

Erfahrungen aus der Praxis zeigen: Selbst widrige Umstände wie Wind oder Kälte halten die Menschen nicht ab. Die Ohrensessel werden zu kleinen Inseln der Ruhe, zu geschützten Räumen im öffentlichen Raum. Oft entstehen berührende Momente: Passant*innen, die zunächst abwinken – „Hilfe brauche ich nicht“ – bleiben stehen, setzen sich doch, kommen ins Nachdenken. Spürbar wird, wie selbstverständlich wir alle immer wieder Unterstützung annehmen und wie sehr uns das verbindet.

Optional kann die Aktion durch weitere Elemente ergänzt werden, etwa durch eine „Wand der Erfahrungen“. Unter einer offenen Frage wie „Wann hast du zuletzt jemandem zugehört?“ können Besucher*innen Gedanken, Erlebnisse oder kurze Sätze aufschreiben. Diese Notizen laden zum Lesen ein, regen Gespräche untereinander an und machen sichtbar: Niemand steht allein da mit seinen Themen.

Besonders wirkungsvoll kann es sein, wenn neben Mitarbeitenden oder ehrenamtlich Tätigen auch bekannte Personen aus der Region Platz nehmen – zum Beispiel Bürgermeister*innen, engagierte Persönlichkeiten oder lokale Prominente. Ihre Teilnahme senkt Hemmschwellen und setzt ein starkes Zeichen: Über Sorgen zu sprechen ist normal und menschlich.

Was braucht es für die Umsetzung?

Zunächst braucht es einen geeigneten Ort: gut sichtbar, belebt, aber nicht zu laut. Ggf. muss im öffentlichen Raum von der Stadt-/Gemeindeverwaltung eine Erlaubnis eingeholt und auch eine Gebühr bezahlt werden. Zwei bequeme Sitzgelegenheiten bilden das Herzstück der Aktion. Ein kleiner Tisch und ein Teppich oder ein Getränkeangebot, kleine einladende Give-aways können zusätzlich Atmosphäre schaffen.

Wichtig sind die Gesprächspartner*innen: Menschen, die bereit sind zuzuhören, präsent zu sein und Schweigen auszuhalten. Sie benötigen keinen therapeutischen Hintergrund, wohl aber Offenheit, Empathie und Klarheit darüber, dass sie keine Beratung anbieten, sondern ein Gespräch auf Augenhöhe. Eine kurze Vorbereitung oder Abstimmung im Team hilft, Sicherheit zu geben – etwa zu Themen wie Anonymität, Grenzen des Gesprächs oder möglichen Weiterverweisstellen, falls jemand aktiv nach Hilfe fragt.

Hilfreich sind außerdem Hinweise für Passant*innen: ein kleines Schild oder Plakat mit einer einladenden Botschaft wie „Setz dich. Wir hören zu.“ oder „Zeit für ein Gespräch?“ Auch Informationsmaterial der eigenen Einrichtung oder regionaler Hilfsangebote kann bereitliegen.

Nicht zuletzt lohnt es sich, die Aktion im Vorfeld und im Nachgang öffentlich zu machen – über Social Media, Gemeindekanäle oder einen kurzen Pressetext.

Monika Diercks, Diakonin in der Krankenhausseelsorge, DIAKOVERE Leben und Glauben | Haus der Begegnung

Verena Altenhofen, Referentin für Ehrenamt, DIAKOVERE Leben und Glauben | Haus der Begegnung

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Tel.: 0173 2935779