Eine Sterbende, die sich fragt: Was hält und trägt mich jetzt? Wie war mein Leben und kann ich damit meinen Frieden machen? Ein Lebenspartner, der sich fragt: Wie geht es „danach“ weiter? Und auch ich selbst, als jemand, die oder der sterbende Menschen begleitet, medizinisch, pflegerisch, seelsorglich, frage nach meinen Kraftquellen.
In der Begleitung und Betreuung Sterbender geht es um die Verbesserung ihrer Lebensqualität in den vier Dimensionen des Menschseins: körperlich – psychisch – sozial – spirituell. Spiritualität meint dabei die lebendige Beziehung eines Menschen zu dem, was sein Leben trägt und mit Sinn erfüllt.
Die Sorge um spirituelle Themen, Nöte, Fragen und Ressourcen in der Hospiz- und Palliativversorgung wird als "Spiritual Care" bezeichnet. Sie findet überall dort statt, wo erkrankte Menschen durch Hospiz- und Palliativversorgung begleitet werden, und gilt erkrankten Menschen, ihren An- und Zugehörigen, sowie den Mitarbeitenden – unabhängig von Weltanschauung oder Religion.
In einer berufsbegleitenden, umfassenden Weiterbildung, aufgebaut in sieben Modulen von insgesamt 140 Unterrichtseinheiten, erwerben die Teilnehmenden Grundkenntnisse zum Thema und entwickeln eine eigene spirituelle Haltung. Auf der Basis des christlichen Menschenbildes bekommen sie Impulse und praktische Beispiele, um mit Kranken, deren An- und Zugehörigen und in ihrem Team stimmig zu kommunizieren. Sie werden aufmerksam auf die religiösen Bedürfnisse Ihres Gegenübers, und sie beschäftigen sich mit ethischen Fragen am Lebensende genauso wie mit kultursensibler Begegnung.
In einem interdisziplinären Team von Seelsorger*innen, Pfleger*innen und Ärzt*innen profitieren die Teilnehmenden von der Fachkompetenz und dem Blickwinkel der jeweils anderen. Am Ende der Weiterbildung erwerben sie mit einer Abschlussarbeit und deren Präsentation ein Zertifikat der EEB Niedersachsen.
Annette Behnken, Landeskirchliche Beauftragte für Hospiz- und Palliativseelsorge